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Von der ersten Blüte bis zum reifen Apfel: Alles über unsere Lieblingsfrucht
Habt ihr euch schon einmal gefragt, was im Laufe eines Apfeljahres eigentlich so alles am Baum passiert? Der Weg von den ersten Frühlingssonnenstrahlen bis zum knackigen Biss in einen reifen Apfel ist eine faszinierende Reise der Natur – und genau die möchten wir heute mit euch teilen.
Der Aufbruch im Frühjahr: Wachstum & Blütenzauber
Sobald die Tage im Frühling wärmer werden (meist ab März/April), erwacht der Apfelbaum aus dem Winterschlaf. Die Knospen schwellen an, und die ersten zarten Blätter schieben sich heraus.
Kurz darauf folgt das erste große Highlight des Jahres: Die Apfelblüte (je nach Region und Wetter zwischen April und Mai).
Ein Wunder der Natur: Apfelblüten sind meist weiß bis sanft rosa getönt und duften herrlich.
Wichtige Helfer: Äpfel sind auf Fremdbestäubung angewiesen. Das bedeutet: Ohne fleißige Bienen, Hummeln und andere Insekten, die den Blütenstaub von Baum zu Baum tragen, gibt es später keine Früchte!
Die Verwandlung: Sobald eine Blüte erfolgreich bestäubt wurde, welken die Blütenblätter ab, und der Fruchtknoten im Inneren beginnt langsam zu wachsen – der junge Apfel entsteht.
Das Phänomen im Frühsommer: Der Juni-/Julifall
Vielleicht habt ihr im Frühsommer schon einmal beobachtet, dass der Boden unter den Apfelbäumen plötzlich voll von kleinen, grünen Äpfeln liegt. Keine Sorge: Das sind keine Frühäpfel und der Baum ist auch nicht krank!
Man nennt dieses Phänomen den Juni- oder Julifall (oder auch den natürlichen Selbstdurchpflückungsprozess des Baumes):
Der Baum merkt schlichtweg, dass er nicht alle angesetzten Früchte mit ausreichend Nährstoffen und Wasser versorgen kann.
Um die verbleibenden Äpfel groß, stark und süß werden zu lassen, trennt sich der Baum ganz bewusst von den schwächeren oder schlecht bestäubten Früchten. Es ist also eine rein natürliche Ausdünnung, damit die verbliebenen Äpfel perfekt heranreifen können.
(Frühäpfel hingegen sind spezielle Sorten wie z. B. der "Klarapfel", die tatsächlich schon ab Ende Juli/August voll ausgereift und genießbar sind!)




Augustfall?

Ja und Nein-
Auch im August verliert der Baum immer wieder Äpfel. Das passiert meistens dann, wenn das Wetter eben nicht perfekt ist.
Zu lange, zu heißes Wetter lässt den Baum weiter selektieren. Jeder Apfel der nicht versorgbar erscheint, muss gehen.
Ebenso werden im August natürlich auch gerne Unwetter mehr. Es stürmt, kommt zu Starkregen und Hagel. Leider natürlich all das, was für so einen Apfel nicht gerade das beste ist.
Diese Abgeworfenen Äpfel, sind aber keine sogenannten "Frühäpfel".
Was ihr mit euren richtigen Frühäpfeln machen könnt erfahrt ihr --> hier <--
Eine kleine Sortenübersicht über Früh- Herbst- und Lageräpfel findet ihr weiter unten

Verschiedene Apfelsorten
1. Frühäpfel (Sommeräpfel)
Ernte & Genuss: Ab Ende Juli bis August.
Eigenschaften: Sehr zartes Fruchtfleisch, erfrischend säuerlich, aber nicht lagerfähig (müssen innerhalb von 1–2 Wochen frisch verzehrt oder verarbeitet werden).
Weißer Klarapfel: Der absolute Klassiker unter den Frühäpfeln. Hellgelb bis weißlich, sehr saftig, wird aber extrem schnell mehlig. Perfekt für frisches Apfelmus.
Piros: Eine moderne, sehr schmackhafte Frühsorte aus Deutschland. Rot gestreift, knackig, erfrischend süß-säuerlich und etwas fester als der Klarapfel.
Retina: Widerstandsfähige Sorte mit schöner roter Backe, saftig und feinsäuerlich.
Jakob Fischer (Schöner aus Oberlenningen): Der bekannteste Vertreter. Sehr große, unregelmäßig geformte Frucht mit leuchtend roter Backe. Extrem saftig, feinsäuerlich und schaumig-zart im Fruchtfleisch. Wie alle Frühäpfel nicht lagerfähig (innerhalb weniger Tage verzehren oder zu Mus/Saft verarbeiten).
2. Herbstäpfel
Ernte & Genuss: September bis Oktober.
Eigenschaften: Erreichen direkt am Baum ihre volle Genussreife („vom Baum in den Mund“). Sie halten sich im kühlen Keller meist 4 bis 8 Wochen.
Elstar: Der wohl beliebteste Herbstapfel in Deutschland. Würzungsreich, perfekt ausbalanciert zwischen Süße und Säure, saftig und knackig. Ideal auch zum Pressen!
Gala: Sehr süß, mild, mit wenig Säure und knackigem Bisss – besonders bei Kindern extrem beliebt.
Holsteiner Cox: Ein Nachkomme des alten Cox Orange. Sehr aromatischer, würziger Geschmack mit feiner Säure.
Alkmene: Eine Kreuzung aus Cox Orange und Geheimrat Dr. Oldenburg. Gelb-rot, feinsäuerlich, intensiv-fruchtiger Geschmack.
Rubinette: Klein bis mittelgroß, aber geschmacklich eine absolute Bombe – extrem knackig, edelsüß und voller Aroma.
Geheimrat Dr. Oldenburger: Gelblich mit rot gestreifter Sonnenseite. Das Fleisch ist feinzellig, sehr saftig und hat ein edles, würzig-süßes Aroma mit mildem Säuregehalt. Ein hervorragender Tafelfrucht-Klassiker und Elternteil vieler moderner Sorten (wie Alkmene).
Weirouge: Bayrische Züchtung (TU Weihenstephan) mit leuchtend rotem Fruchtfleisch. Sehr spritzig, stark säuerlich und fest. Frisch meist zu sauer, aber der perfekte Verarbeitungsapfel: Verleiht Mus, Saft, Gelee und Kuchen eine leuchtend rote Farbe und erfrischende Säure.
Roter Mond: Historische rotfleischige Sorte aus Russland (1915). Tiefrote Schale, rosarotes Fleisch und herb-säuerlicher, feinaromatischer Geschmack. Besitzt wunderschöne karminrote Blüten und rötliches Laub (auch als Ziergehölz beliebt); ideal zum Entsaften, Dörren und Einkochen.
3. Lageräpfel (Winteräpfel)
Ernte: Oktober bis November.
Genussreife: Erst nach Wochen oder Monaten der Lagerung (oft von Dezember bis ins Frühjahr).
Eigenschaften: Bei der Ernte oft noch zu fest oder säuerlich. Erst durch das Nachreifen im kühlen, dunklen Lager bildet sich das volle Aroma und der Zucker aus.
Roter Boskoop: Der König der Koch- und Backäpfel! Große, raue Früchte mit kräftiger Säure. Frisch gepflückt sehr sauer, gelagert entwickelt er ein herrliches Aroma. Der Klassiker für Apfelkuchen und Bratapfel.
Braeburn: Stammt ursprünglich aus Neuseeland, wächst aber auch bei uns bestens. Extrem knackig, festes Fleisch, erfrischend süß-säuerlich und sehr lange haltbar.
Cox Orange: Der historische Edelfrucht-Klassiker. Gelagert entwickelt er sein weltberühmtes, leicht nussiges "Cox-Aroma".
Topaz: Eine moderne, sehr schorfresistente Bio-Sorte. Spritzig-sauer, knackig und fantastisch lagerfähig (oft bis April/Mai).
Gloster: Dunkelrote, leicht kantenförmige Frucht. Mild-säuerlich und ein hervorragender Dauerläufer im Keller.
Winterrambur: Ein klassischer, robuster Wirtschafts- und Wirtschaftslagerapfel. Die Früchte sind breit und leicht flachgedrückt („rambur-förmig“). Das Fleisch ist fest, grobzellig, saftig und erfrischend säuerlich. Perfekt für Apfelwein, Saft, Mus und zum Dörren. Genuss bis ca. Januar- April
Robust & Kälteresistent: Apfelsorten für das Bayerische Oberland
Das Oberland stellt durch Spätfröste, rauere Lagen, höheren Niederschlag und kühlere Nächte besondere Ansprüche an Obstbäume. Hier bewähren sich vor allem frostharte Holz- und Blütensorten:
Roter Boskoop: Sehr frosthart im Holz, kommt mit Höhenlagen gut zurecht.
Kaiser Wilhelm: Alter, extrem robuster Haussorten-Klassiker. Unempfindlich gegen Schorf und Krebs, ideal für Streuobstwiesen im Voralpenland.
Berner Rosenapfel: Wächst auch in rauen Lagen hervorragend. Wunderschöne, dunkelrote Früchte mit edlem, rosenartigem Aroma.
Brettacher: Sehr späte Blüte (dadurch unempfindlich gegen Spätfrost). Robuster Winterapfel, der bis weit ins Frühjahr hält.
Gewürzluiken: Traditionelle süddeutsche Sorte. Sehr widerstandsfähig gegen Kälte, ertragreich und hervorragend zum Backen und Mosten.
Apfelsorten (Malus domestica)
Verwendungszwecke
Frischverzehr (Tafeläpfel)
- Elstar, Gala, Rubinette, Alkmene, Delbarestivale, Discovery, Piros, Geheimrat Dr. Oldenburg
- Knackig bis zart, saftig, ausgewogene Süße-Säure-Balance. Genussreif direkt vom Baum.
- Perfekt als Snack oder für Obstsalate. Rubinette besticht durch edelsüßes Aroma, Gala durch milde Kinder-Süße.
Backen & Kochen (Koch-/Backäpfel)
- Roter Boskoop, Holsteiner Cox, Gewürzluiken, Kaiser Wilhelm, Braeburn
- Kräftige Säure, festes Fleisch (zerfällt beim Backen ideal), hoher Aromagehalt.
- Roter Boskoop ist der Klassiker für Apfelkuchen, Bratapfel und Strudel. Die Säure balanciert den Zucker im Teig perfekt aus.
Mus, Kompott & Gelee (Verarbeitungsäpfel)
- Weißer Klarapfel, Jakob Fischer, Weirouge, Roter Mond, Alkmene
- Frühreifend mit weichem/schaumigem Fleisch oder säuerlich mit hoher Farbintensität.
- Klaraapfel ergibt feines, helles Mus. Weirouge & Roter Mond färben Mus, Gelee und Kompott leuchtend rot/pink.
Saft, Most & Cider (Kelterobst)
- Elstar, Rheinischer Winterrambur, Gewürzluiken, Weirouge, Roter Boskoop
- Hoher Saftgehalt, spritzige Säure und variabler Gerber/Aromagehalt.
- Winterrambur gibt Most Struktur. Weirouge verleiht Saft/Cider eine leuchtende Rosé- bis Rubinfarbe.
Lagerung (Winteräpfel)
- Topaz, Braeburn, Jonagold/Jonagored, Gloster, Cox Orange, Brettacher
- Festes Fleisch. Genussreife bildet sich erst nach Wochen im kühlen Lager (haltbar bis April/Mai).
- Topaz & Braeburn bleiben im Lager extrem knackig und spritzig. Cox Orange entwickelt gelagert sein nussiges Aroma.
Raue Lagen & Oberland (Kälteresistent)
- Roter Boskoop, Kaiser Wilhelm, Berner Rosenapfel, Brettacher, Gewürzluiken
- Späte Blüte (Schutz vor Spätfrost), frosthartes Holz, unempfindlich gegen Schorf/Krebs.
- Ideal für Streuobstbau im Voralpenland. Berner Rosenapfel überzeugt zudem durch rosenartiges Aroma.

Beliebte Birnensorten
Birnen unterteilen sich analog zu Äpfeln in Sommer-, Herbst- und Winterbirnen. Da Birnen im Vergleich zu Äpfeln etwas blühfreudiger und wärmeliebender sind, braucht es im Oberland besonders frostharte Sorten.
Sommerbirnen (August bis September)
Clapps Liebling: Große, gelb-grüne Birne mit roter Backe. Sehr saftig, süß und schmelzend. Nicht lange haltbar.
Williams Christ: Der weltbekannte Klassiker. Gelb, intensiv aromatisch („Williams-Aroma“), süß und schmelzend. Ideal für Frischverzehr, Einkochen und Schnaps.
Herbstbirnen (September bis November)
Gute Luise von Avranches: Sehr verlässliche, mittelgroße Birne. Gelbgrün mit rötlicher Marmorierung. Äußerst saftig, edelsüß mit feiner Säure.
Gellerts Butterbirne: Große, raue, meist komplett berostete Frucht. Das Fleisch ist extrem schmelzend („Butterbirne“), sehr saftig und würzig-süß.
Conference: Die derzeit beliebteste Allround-Birne. Schlank, flaschenförmig, süß und knackig bis weich schmelzend. Sehr ertragreich und widerstandsfähig.
Winter- & Kochbirnen (Oktober bis ins Frühjahr)
Alexander Lucas: Große, bauchige Winterbirne. Reift im Lager ab November nach und wird sehr saftig, süß und schmelzend.
Gräfin von Paris: Alte, extrem haltbare Winterbirne. Bildet ihr volles Süß-Aroma erst ab Dezember/Januar im kühlen Keller aus.
Gute Graue: Sehr alte, frostharte Sorte, die auch in raueren oberbayrischen Lagen verlässlich trägt. Klein, berostet, aber geschmacklich hervorragend.
Birnensorten
Verwendungszwecke
Frischverzehr (Tafelbirnen)
- Williams Christ, Gute Luise, Gellerts Butterbirne, Clapps Liebling, Conference
- Schmelzendes Fruchtfleisch („Butterbirnen“), sehr saftig, edelsüß mit feiner Säure.
- Williams Christ hat das weltbekannte Birnenaroma. Gellerts Butterbirneist extrem saftig und würzig-süß.
Einkochen & Dessert (Kochbirnen)
- Alexander Lucas, Conference, Gute Graue, Williams Christ
- Kochfest, behält auch beim Dünsten/Einkochen die Form, gibt süßen Saft ab.
- Perfekt für „Birne Helene“, Rotweinbirnen, zum Einkochen in Sirup oder als Beilage zu Wildgerichten.
Brennen & Edelbrände (Schnapsbirnen)
- Williams Christ, Gute Graue, Schweizer Wasserbirne
- Hoher Zuckergehalt und stark ausgeprägtes, flüchtiges Aromatypen-Spektrum.
- Unangefochtener Maßstab für hochwertige Fruchtbrände ist die vollreife Williams Christ.
Lagerung & Winter (Winterbirnen)
- Alexander Lucas, Gräfin von Paris, Conference
- Späte Ernte (Oktober). Entfalten ihre schmelzende Textur meist erst ab November bis Januar.
- Gräfin von Paris hält sich im kühlen Keller problemlos bis weit ins Frühjahr hinein.
Raue Lagen & Oberland (Kälteresistent)
- Gute Graue, Conference, Gute Luise von Avranches
- Blüten- und holzfrosthart, widerstandsfähig gegen Schorf, verlässlicher Ertrag.
- Gute Graue ist eine extrem alte, robuste Sorte, die auch im bayerischen Voralpenland verlässlich trägt.
